Arbeitstitel: „Bildende Kunst der Armenier in Deutschland. Kristallisation einzelner Initiativen. Rückblicke und Vernetzung“
Freitag, 2. Mai – Samstag, 1. Juni 2025
(Vernissage um 18.00 Uhr und Finissage um 15.00 Uhr)
Ort: Galerie im Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10318 Berlin
Musikalische Umrahmung: Premiere des Clips „Wacht auf, Menschen, Menschen der Welt!“ (Wort, Musik und Aufführung von Srbuhi Martirosyan)
Service: Freie Getränke
Eintritt: frei
Die Armenier haben eine lange Diaspora-Tradition. Traditionsgemäß haben armenische Künstler erst nach der Anerkennung durch Kunstliebhaber:innen außerhalb der Gemeinden Interesse und gewisse Unterstützung durch eigene Landsleute erfahren. Das Prinzip der individuellen Ausrichtung und Behauptung im Kulturleben und auf dem freien Markt ist ein wichtiger Grundstein der modernen westlichen Kunstauffassung. Die Armenier haben ein starkes Traditionsbewusstsein, bleiben aber stets offen für Erneuerungen. Selbst die Annahme des Christentums im Jahr 301 als Staatsreligion wird von vielen Künstlern als Avantgarde-Akt proklamiert, der dem Volk langes Überleben trotz widriger Umstände sicherte.
Die Deutsch-Armenischen Kulturtage in Berlin haben in neun Jahren der Ausstellungspräsentationen verschiedene Modelle des Kuratierens und der Ausstellungsgestaltung ausprobiert. Neben Einzelausstellungen anerkannter Künstler:innen gab es Gruppenausstellungen, die Kunstmalerei wurde mit Fotografie und Objektkunst begleitet. Neben Werken von Meistern, die in Museen aufbewahrt werden, haben wir auch eine Plattform für jüngere Kunstschaffende angeboten. Neben der Ausstellungsorganisation in Form eines Gemeindezentrums mit Kunstwerken und Reiseplakaten als Dekoration an den Wänden und Kirchenmodellen auf den Podesten gab es aufwendig recherchierte Überblicke über die neuesten Kunsttendenzen im globalen Vergleich.
Die Ausstellungen wurden nicht nur in Berlin besucht und in den armenischen und deutschen Medien thematisiert, sondern regelmäßig auch in wichtigen Diaspora-Zeitschriften und Zeitungen von Prag bis Boston beleuchtet. Berlin ist allmählich zu einem der wichtigsten Kulturzentren der Armenier aufgestiegen.
Dennoch bleibt auch heute die Vernetzung einzelner Künstler:innen und Gruppen ein Grundprinzip zukunftsgerichteter kultureller Stabilität. Zahlreiche Intellektuelle, Musiker und bildende Künstler haben in Deutschland studiert oder gewirkt. Für einige stellte sich keine Frage nach der nationalen Identität, manche versuchten, diese ganz abzulegen und im globalen Kontext aufzugehen, während andere sich erst durch künstlerische Auseinandersetzungen zum Armenien-Tum bekannten. Kulturelle und nationale Identität soll sich auch durch ständigen Wandel und erneuerte Fragestellungen lebendig halten.
Bei der geplanten Jubiläums-Ausstellung im Kulturhaus Karlshorst möchten wir in Kooperation mit dem Projekt-Raum InteriorDAsein, der seit 2008 zahlreiche Ausstellungen, Seminare und Festveranstaltungen organisiert hat und eine reiche Sammlung armenischstämmiger Künstler:innen besitzt, sowohl einen Rückblick auf vergangene Arbeiten als auch zukunftsgerichtete Rückblicke auf in Deutschland arbeitende Künstler:innen präsentieren.
Visuell werden die Kunstwerke von eingeladenen Künstler:innen aus München, Berlin, Dresden, Hamburg und Jerewan (Gobelin vom Künstler Yeghiazaryan), die noch nicht bei den Kulturtagen ausgestellt waren und deren Werke traditionell auf den Wänden Platz finden, präsentiert. Eine Publikation in Form eines broschierten Hefts ist zur Ausstellungseröffnung ebenfalls geplant.
Damit wird nicht nur auf das Interesse am stattfindenden Kulturleben der Armenier in Deutschland hingewiesen, sondern auch zur Vernetzung der Einzelnen in einer Dialogarbeit und strategisch ausgerichtetem Zusammenspiel appelliert.