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ABSCHLUSSKONZERT: „Armenische Identität und ihre Wurzeln“ mit Hrachuhi Bassenz und Gor Harutyunyan

06-06-2021
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Es war geplant am 06.06.2021 um 17.00 Uhr Finissage der Kunstausstellung in der Galerie im Kulturhaus Karlshorst feierlich abzuschließen und im Anschluss um 19.00 Uhr das Abschlusskonzert "Armenische Identität und Ihre Wurzeln" für unsere Gäste im Konzertsaal des o.a. Kulturhauses anzubieten. Da die Pandemieregeln nicht gelockert wurden, wie gehofft, mussten wir das Konzert aufnehmen und im Online-modus ins Netz hochladen.

Wie kamen wir auf die Idee im Rahmen diesjähriger Deutsch-Armenischen Kulturtage dieses Konzert zu veranstalten und welche Hintergründe spielten dabei eine Rolle? Dazu  ausführliche Informationen nachstehend:

 

Ein wichterger Bestandteil der armenischen Identität ist die Musik bzw. die armenische Gesangskunst – eine Verflechtung abendländischer und morgenländischer Einflüsse.


Die armenische Musik hat ihre Ursprünge im Armenischen Hochland, wo man traditionell Volkslieder gesungen hat. Die weit zurückreichende Musiktradition Armeniens wurde im späten 19. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert zunächst von Komitas Vardapet, ein bedeutender Priester und Musikwissenschaftler, gesammelt und weiterentwickelt. Die armenische Musik wurde international hauptsächlich durch die Komponisten Aram Chatschaturjan, Alexander Arutjunjan, Arno Babadschanjan und Karen Kavaleryan sowie durch Pop-Sänger und –Artisten wie Dschiwan Gasparjan, Ara Gevorgyan, Sirusho, Eva Rivas und viele andere vertreten.

 

Eine der ältesten Musikarten ist die armenische geistliche Musik. Die armenische Kirchenmusik ist weitgehend vokal. Der armenische Choral, der in einer der acht alten Kirchentonarten komponiert wurde, ist eine verbreitete Art der religiösen Musik in Armenien. Der Choral  (sharakans) wird in khaz geschrieben, eine Art der armenischen Musiknotation. Viele dieser Choräle sind antiken Ursprungs, die weit in die vorchristliche Zeit zurückreichen. Andere Choräle sind späteren Datums, darunter die verschiedenen Kompositionen des Heiligen Mesrop Maschtoz, der das armenische Alphabet entdeckte.

 

Die armenische Musik blieb liturgisch, bis Komitas Vardapet am Ende des 19. Jahrhunderts die Polyphonie einführte. Neben seinen Beiträgen zur religiösen Musik wird Komitas gelegentlich als Begründer der modernen klassischen armenischen Musik betrachtet. Von 1899 bis 1910 reiste er durch die armenischen Hochländer und sammelte dabei mehr als 3000 Volkslieder, von denen er viele Melodien harmonisiert und zu Kunstliedern umwandelte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der Hl. Messe nach westlichem Vorbild gelegentlich die Orgel eingeführt. Die Kirchenmusik trug auch zur Entwicklung der klassischen armenischen Musik bei.

 

Klassische armenische Komponisten sind z. B. Aleksandr Spendiarjan (1871–1928), Armen Tigranjan (1879–1950) und Haro Stepanjan. Diese drei sind bekannt für ihre Opernwerke. Sargis Barchudarjan (1887–1973) und Garo Zakarian (1895–1967) waren repräsentative Komponisten zur Zeit vor und nach der Gründung der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Der berühmteste Komponist zu dieser Zeit war jedoch Aram Chatschaturjan (1903–1978), der international für seine Ballette bekannt war, insbesondere für den Säbeltanz, ein Satz aus seinem Werk Gayaneh. Andere bekannte Komponisten waren Gevorg Armenyan (1920–2005), Anahit Zizikjan (1926–1999), Arno Babadschanjan (1921–1983), Barseg Kanatchian (1885–1967), Eduard Mirsojan (1921–2012), Boris Parsadanjan (1925–1997), Aschot Sohrabjan (1945–) und Aram Satian (Satyan) (1947–)“.

 

Um das Reichtum dieser musikalischen Tradition zu Gehör zu bringen, lud der AEAE e.V. in diesem Jahr Hrachuhi Bassenz (Sopran) aus Dresdener Seperoper (http://www.hrachuhibassenz.com/) und Gor Harutyunyan (Bariton) aus Nürnberger Opernhaus ein. Mit Scharakans, Romanzen, Arien, usw. erlebten wir einen faccetenreichen und genußvollen musikalischen Abend, den wir mit unseren Zuhörer*inen gerne online teilten. Das Konzert begleiteten musikalisch der DUDUK-Spieler (Holzblasinstrument aus Aprikosenbaum) Herr Hovhannes Margaryan und die Klavierbegleiterin Frau Edita Hakobyan. Die Letzteren führten auch eigene Interpretationen auf. Das Konzert war den Gefallenen während des 44-Tage-Krieges in Arzach gewidmet.

 

Nachstehend- einige Informationen über die o.a. Künstler*innen:

Hrachuhí Bassénz

Geboren in einer musikalischen Familie in Yerevan. Nach einem abgeschlossenen Violinstudium absolvierte sie mit Auszeichnung die Gesangausbildung am Staatlichen Komitas-Konservatorium ihrer Heimatstadt bei Professor Gayane Geghamyan.

 

Seit 2006 ist Deutschland der Mittelpunkt ihres Lebens und künstlerischen Schaffens. Das Debüt als Leonora in Verdis „Der Troubadour“ war der Startschuss ihrer Karriere. Neben zahlreichen Rollen nehmen schon längst als ihre Visitenkarte gewordene „Norma“, „Violetta“, „Mimi“, „Desdemona“, „Leonora“, „Donna Elvira“, „Gräfin Almaviva“ und „Adriana Lecouvreur“ dem wichtigsten Platz in Hrachuhis Repertoire ein. Sie arbeitet zusammen mit renommierten Opernhäusern (London Royal Opera House, Israeli Opera in Tel Aviv, Wiener Staatsoper, Semperoper Dresden, Den Norske Opera & Ballett in Oslo), sowie mit weltberühmten Dirigenten (Johannes Wildner, Marc Tardue, Daniel Oren, Antonio Pappano, Antonino Fogliani, John Fiore, Alexander Shelley etc.) und Regisseuren (Laura Scozzi, Calixto Bieito, Mariame Clément, Dieter Kaegi, David McVicar und dem lengendären Elijah Moshinsky). Neben dem europäischen Repertoire nimmt sie aktiv an unterschiedlichsten kulturellen und karitativen Veranstaltungen der armenischen Diaspora-Gemeinden teil. Im Jahr 2011 begeisterte sie bei Europas größtem „Klassik Open Air“ im Nürnberger Luitpoldhain, begleitet von der Staatsphilharmonie Nürnberg, unter der Leitung von Dirk Kaftan, mehrere tausend Zuschauer mit Werken armenischer Komponisten wie Alexander Harutyunyans „Sing für mich“, Alexander Dolukhanyans „Die Schwalbe“ und Arno Babajanyans anrührendem „Vokaliz“. Sie nimmt an Benefizkonzert-Veranstaltungen der von Dr. Margarete und Georg Walcher gegründeten gemeinnützigen Organisation „Hajastan-Armenienhilfe e.V.“ in Erlangen teil, deren Gesamterlös an das Waisenhaus in Vanadzor gespendet wird. Anlässlich des 100-jährigen Gedenktages des Genozids an den Armeniern fand mit breiter öffentlicher Unterstützung (Kulturministerium Armeniens, ZAD, Botschaft von Armenien vertreten durch den Botschafter Ashot Smbatyan persönlich, armenische Gemeinde Nürnberg) im Gluck-Saal des Staatstheaters Nürnberg mit großem Erfolg das Solokonzert von Hrachuhi mit dem Titel "Kehre Heim!" begleitet durch die Sammlung von Volkstrachten der Künstlerin und Ethnographin Lusik Aguleci statt. Zum gleichen Anlass trat sie mit der Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Chefdirigenten des WKO Heilbronn sowie des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt Ruben Ghazaryan mit den Werken von Komitas und Babajanyan in Jena und Erlangen auf. Im Zusammenhang mit dem Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts Papst Franziskus in Armenien im Jahr 2016 nahm sie auf Einladung des Chefdirigenten des armenischen Philharmonie-Orchesters Eduard Topchyan an der feierlichen Veranstaltung auf dem Platz der Republik von Yerevan teil. Sie wurde ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, darunter: "Sängerin des Jahres" und "Publikumspreis" des Musiktheaters Gelsenkirchen, mit dem Bayerischen Kunstförderpreis, der 2. Preis des internationalen Gesangswettbewerbs „Voci Verdiane“, sowie "Goldmedaille" des Kulturministeriums und "Komitas" Medaille des Diasporaministeriums der Republik Armenien.

 

Auf CD ist sie u.a. mit Hauptpartien in Simon Mayrs „Il sagrifizio di Jefte“ und Vogels „Das goldene Vlies“,  „Eine musikalische Schlittenfahrt“ mit der Neuen Philharmonie Westfalen, sowie zeitgenössischer Musik armenischer Komponisten wie z.B. “The Divine Liturgy of the Armenian Church” von dem armenischen Komponisten Makar Yekmalian, “All Time Armenian Favourites“ mit Kohar Symphony Orchestra and Choir(2003), „Vision“ Vocal Musik bei armenischen Komposnisten, “Memories of Love”  von Sirvart Karamanuk, mit Begleitung von dem berümten Pianisten Sahan Artsruni(2005) zu hören.

 

Die größten Debuts der vergangenen Jahre sind: „Norma“ in der Israeli Opera Tel Aviv, „Adriana Lecouvreur“, „Donna Elvira“ und „Simon Boccanegra“ in Londoner Royal Opera House, mit live Übertagung durch den Radiosender BBC 3, „Mimi“ in der Dresdner Semperoper und in der Wiener Staatsoper, sowie „Norma“ im Den Norske Opera & Ballett. Ab der Spielzeit 2018/19 ist Hrachuhi Bassenz festes Ensemblemietglied der Semperoper Dresden, wo sie mit großem Erfolg die Rollendebuts als  „Marie“ in „die verkaufte Braut“, „Antonia“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ und „Madame Butterfly“ dargestellt hat. Im Jahr 2019 ist sie in Japan als „Desdemona“ mit Maestro Antonio Pappano, in London als „Violetta“ mit Maestro Daniel Oren und im Opernball des Slovakischen National Theater in Bratislava aufgetreten.

 

 

Gor Harutyunyan (Bariton)

 

Der armenische Bariton Gor Harutyunyan studierte Gesang und Dirigieren an der Komitas-Musikhochschule in Yerevan (Armenien) und war zunächst Mitglied im Opernstudio der Musikhochschule in Yerevan, bevor er 2008 Mitglied des Opernchores am Theater Erfurt wurde. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist er Mitglied des Opemchores am Staatstheater Nürnberg.

Er hat sein großes Können in vielen Konzerten in Russland, USA, Kanada, Armenien, Frankreich, Deutschland, Schweiz und auf Georgien unter Beweis gestellt. Zu seinem Solorepertoire gehören u. a. Figaro "Il Barbiere di Siviglia", die Titelpartien in Puccinis " Gianni Schicchi“ und Tschaikowskys "Eugen Onegin", Ping in "Turandot" sowie Giorgio Germont in " La Traviata".