Liebe Landsleute,
liebe Freunde,
wie ihr wisst, steht bald der 24. April bevor – der Gedenktag des Völkermords an den Armeniern von 1915. In diesem Zusammenhang besuchten die Schüler*innen der Armenischen Sonntagsschule in Berlin beim AEAE e.V. gemeinsam mit ihren Eltern und dem Lehrpersonal unter der Leitung des Schulleiters Mikayel Minasyan das Lepsiushaus in Potsdam.
Trotz des ununterbrochenen Regens und des kalten Wetters gelang es uns, zur vereinbarten Zeit vor Ort zu sein. Dort wurden wir von Dr. Hayk Martirosyan empfangen, der die Ursachen des Völkermords an Armeniern, seine Organisatoren und die damit verbundenen Ereignisse vorstellte. Außerdem erklärte er den Unterschied zwischen Völkermord und Massakern, denen unser vielgeprüftes Volk sowohl im Osmanischen Reich als auch im nationalistischen Staat der Türkei unter Kemal Atatürk ausgesetzt war.
Die Begriffe „Genozid“ und „Völkermord“ wurden den Kindern von Herrn Minasyan in einer verständlichen Sprache und anhand interessanter Beispiele erklärt. Während des über einstündigen Vortrags hörten die Kinder aufmerksam zu. Am Ende, auf die Frage von Herrn Minasyan, was sie an diesem Tag gelernt hätten, äußerten alle Kinder ihre Gedanken. Wir- Eltern verstanden, dass dieser Besuch nicht umsonst war und zur Stärkung des historischen Bewusstseins unserer Kinder beigetragen hat.
Durch die Erzählungen von Dr. Martirosyan über Johannes Lepsius – der im Rahmen seiner Möglichkeiten Armenier schützte, die den Massakern entkommen waren, Waisenhäuser für Kinder gründete und Werkstätten für Teppich- und Schuhherstellung ins Leben rief, deren Einnahmen den Waisenhäusern zugutekamen – gewannen die Kinder ein Verständnis für Menschlichkeit, Mitgefühl und die Bereitschaft, Bedürftigen zu helfen und sie zu schützen. Werte, die heute besonders wichtig sind und oft fehlen.
Wir besichtigten auch die Räume des Museums, in denen zahlreiche Bilder zum armenischen Völkermord ausgestellt waren. Besonders eindrucksvoll war ein Bild von Teppichknüpfern sowie ein großes, schönes Gemälde des Berges Ararat, vor dem wir auch ein Gruppenfoto machten.
Im zweiten Stock des Gebäudes konnten wir das original erhaltene Arbeitszimmer von Johannes Lepsius sowie eine Bibliothek mit etwa 18.000 Briefen und Zeitungsartikeln sehen. All dies unterstrich eindrucksvoll die Bedeutung des Lepsius-Hauses für die Erforschung des Genozids.
Wir kehrten mit dem Bewusstsein zurück, wie wichtig Menschlichkeit und Güte sind – Eigenschaften, die den christlichen Menschen auszeichnen und zu jeder Zeit von großer Bedeutung sind. Wir alle kamen sehr beeindruckt zurück – und vielleicht auch ein wenig gütiger.
Als Elternteil spreche ich meinen tiefen Dank und meine Anerkennung dem Organisator Herrn Mikayel Minasyan sowie dem Historiker und Genozidforscher, wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lepsius-Hauses Dr. Hayk Martirosyan aus, der den Tag kuratiert hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Lilit Gevorgyan