Samstag, den 30. Mai 2026, Uhrzeit: Einlass um 18.30 Uhr, Beginn um 19.00 Uhr
Ort: Konzertsaal, Aufgang A, im Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10318 Berlin
Service: Getränke und armenische Spezialitäten gegen Entgelt im Angebot
Eintritt: 20,00 EUR, ermäßigt 3,00 EUR (nur mit Berechtigungsnachweis)
Dies ist der Zweig der Kunst und Musik, in dem das Wort und die Verehrung im Gesang dominieren. Sie gehört zu den vokal-instrumentalen Gattungen, deren bedeutendster Vertreter die Kirchenmusik ist. Die Hymnen (Sharakan) werden nach kirchlichen Riten eingeteilt. Geistliche Lieder waren im Volkskunstschaffen vieler Völker der Welt verbreitet – etwa die italienischen Laudine, die spanischen Cantigas, die Lieder der tschechischen Hussiten, die russischen und ukrainischen Kanty, sowie die afrikanischen Spirituals.
In Armenien wurde diese Kunst von Nerses Shnorhali mit seinen wunderbaren geistlichen Liedern weiterentwickelt (Havun-havun, Havik, Sird im sasani u.a.). Seit der frühen Renaissance bildeten die Kantate, Oratorien, Requien, Choräle und andere Werke wichtige Gattungen der geistlichen Musik. Sie dienten der Darstellung menschlicher Gefühle und der Reflexion über Leben, Tod und Ewigkeit. Solche Werke schufen Johann Sebastian Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Berlioz, Brahms, Liszt, Saint-Saëns und viele andere.
In der armenischen Musik sind wir stolz auf Makar Ekmalyan und Komitas, den „Mesrop Mashtots des armenischen Liedes“.
Um die geistliche Kunst richtig zu lehren, entstanden im Laufe der Geschichte zahlreiche Ausbildungsstätten:
In Armenien gab es bereits im heidnischen Zeitalter (1. Jahrtausend v. Chr.) heilige Schulen. Nach der Christianisierung entstanden im 11.–12. Jh. Kloster- und Pfarrschulen. Vom 11. bis 15. Jh. wurden dort hochrangige Geistliche und Theologen ausgebildet, darunter in den Akademien von Syunik, Ani, Sanahin, Haghpat, Goshavank, Gladzor und Tatev.
Im 18. Jh. entstanden Schulen in Neu-Dschuga, Achalziche und Neunachitschewan; 1874 wurde das Geworgian- Geistliche Seminar von Etschmiadsin gegründet, das bis heute führende Geistliche hervorbringt.
Geistliche Musik ist eine große Inspiration im Leben jedes Musikers. Jeder drückt seine Empfindungen durch den Klang seines Instruments aus.
Heute wollen wir eine Verbindung zwischen dem Geistlichen und dem Kanun-Instrument herstellen – denn diese Verbindung reicht bis ins vorchristliche Armenien zurück.
Wie asyrische, griechische und später auch armenische Historiker berichten, waren schon in der vorchristlichen Zeit die Vorformen des Kanuns in Armenien weit verbreitet – sowohl im höfischen als auch im Volksleben, bei religiösen, festlichen und Hochzeitszeremonien.
Nach der Einführung des Christentums als Staatsreligion fanden viele Elemente der alten heidnischen Musik ihren Platz im kirchlichen Gesang. Sie wurden nicht nur vokal, sondern auch mit Instrumentalbegleitung – insbesondere durch den Vorläufer des Kanuns – aufgeführt. Dieses Instrument entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte weiter, beeinflusst durch die katholische Kirche, und wurde später zur Cembalo- und schließlich zur Orgelkultur übergeleitet.
Der Kanun trug in alten Zeiten verschiedene Namen: „Psalmharfe“, „Knar“, „Dasnagi“. Er ist in den Miniaturen alter armenischer Evangelien abgebildet. Bereits 1416 beschrieb der Musiker, Philosoph und Kalenderforscher Hakob Khrimetsi im Kloster Metsop ein 70-saitiges Instrument namens „Kanun“ (ursprünglich- „Ghanun“) und bezeichnete es als den „Urvater der volkstümlichen Saiteninstrumente“.
Der Kanun wurde über die Jahrhunderte weiterentwickelt und fand in Armenien wie auch weltweit große Beliebtheit – dank herausragender Künstler wie Zaven Ter-Menjyan, Arshavir Ferjulian, Khachatur Avetisyan und schließlich Angela Atabekyan, der Gründerin der modernen Kanun-Schule und Volkskünstlerin der Republik Armenien. Sie machte den Kanun auch zu einem Instrument der Frauen.
Ist das nicht eine geistige Verbindung? Ist das nicht ein göttliches Geschenk?
Die Antwort darauf überlassen wir sechs unseren wunderbaren Schülerinnen und eine Klavierbegleiterin– das Publikum wird ihre Aufführungen beurteilen.
Unsere Schützlinge sind:
Irena Shahbaryan - Kanun,
Astghik Avdoyan - Kanun,
Nelly Torosyan - Kanun, Santur,
Elen Antonyan - Kanun, Santur,
Luiza Melkumyan - Kanun, Santur,
Victoria Madantsyan - Kanun,
Irina Hovhannisyan - Kanun
Mehr über ihre Darbietung – hier: https://youtu.be/UAAfSNNC1L0 , https://youtu.be/nlKTp-mPalE