Association of the European and Armenian Experts e. V.
(Verband der Europäischen und Armenischen Fachleute e.V.)

 

Veröffentlichungen > Parujr Sewak “Es werde Licht!”

Parujr Ghazaryan (später bekannt als Parujr Sewak: Պարույր Սևակ (Ղազարյան); geboren am 26. Januar 1924 in Armenien – gestorben am 17 Juni 1971) war der armenische Dichter, der durch seine philosophischen Gedankengänge Emotionen und Logik auf einer Art von „gerechter Harmonie“ in seinen Werken zur Geltung brachte. Er ist als Einer der größten armenischen Dichter für alle Zeiten in die Literaturgeschichte gegangen.

 

Sewak ist in einem ländlichen Gegend namens Sowetaschen (gegenwärtig Zangakatun) der Sowjetarmenien in der Familie von Rafael und Anahit Soghomonjans geboren. Er studierte an der staatlichen Universität Jerewan und im Maxim-Gorki-Literaturinstitut Moskau. Später promovierte und machte er seinen Doktortitel in der Philologie am M.-Abeghjan-Literaturinstitut Jerewan.

 

Am 17. Juni 1971 ist Sewak am Steuer seines Wagens bei der Rückfahrt von Jerewan nach Hause tödlich verunglückt. In kommenden Jahren hat die Bevölkerung Armeniens die Schuld für den Tod des Dichters der armenischen KP- Leitung und dem KGB gegeben. Man sprach von der Inszenierung des angeblichen Autounfalls, um vom system-kritischen Dichter loszuwerden.

 

Nach der langen ‘Eiszeit’ der stalinistischen Diktatur kam Anfang der 60er Jahre eine leichte Freiheitsbrise in die Wirklichkeit der versteinerten sowjetischen Politik. Es setzte eine Rehanimation des nationalen Bewusstseins der armenischen Bevölkerung und ein Streben nach einer Rückbesinnung auf die eigene Vergangenheit ein, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Völkermord in Ostanatolien durch die Jungtürken und mit der Anexion von Ostarmenien durch die Rote Armee einen tragischen Lauf für die Armenier genommen hatte und wegen des Schweigens der Mehrheit der armenischen Bevölkerung bis dato nicht verarbeitet worden ist. Dies konnte nicht ohne Resonanz in der Literatur bleiben. Einer der vehementesten Kämpfer für die freie Kunst und Literatur war zu dieser Zeit Parujr Sewak. Im Zusammenhang mit der Aktualisierung der Anerkennungsfrage des Völkermords betrachtete man Sewaks Poeme ”Nie verstummender Glockenturm” als ein einzigartiges Kunstwerk zur Verewigung der Erinnerung an die im Genozid Verstorbenen. Es handelt bei diesem Werk um die Beschreibung des Lebens und erschütternden Todes des Geistlichen und Komponisten Komitas Wardapet, der Augenzeuge der Tragödie seines Volkes wurde, in die Wahnvorstellungen verfiel und 1932 in Paris starb. Die Kritik an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dem tatenlosen Zusehen der Großmächte der Welt wird laut in unterschiedlichen Glocken (Kapitel) des Poems. Aufgabe des betreffenden Kapitels der Arbeit ist die Erläuterung von Sewaks Positionen dem verlorenen Vaterland gegenüber, die sich in einem tiefen Schmerz und einem bis zur Apathie akzentuierten Leiden manifestiert. Dieser Schmerz wurde nicht nur durch die massenhafte Ausrottung der Landsleute bei der Vertreibung aus dem eigenen Land, die Vernichtung der über 3000jährigen Kulturschätze und durch den Verlust der Hoffnung, das Land seiner Vorfahren jemals wieder zu sehen, hervorgerufen, sondern führte das Gefühl der Einsamkeit im Kampf um die Existenz des armenischen Volkes angesichts der Gleichgültigkeit der Großmächte gegenüber diesem Völkermord zum Leiden.

Sewaks Verständnis und Haltung der eigenen Kultur gegenüber finden sich in besonderer Weise im Gedichtzyklus ”Es werde Licht!” ausgeprägt, welcher anhand der Thematik von Licht und Schatten eine neue perspektivistische Gedankenentwicklung vornimmt, indem dieser besondere Aspekt, vom theologischen Standpunkt gesehen, auf historischen Gegebenheiten und aktualisierend auf die soziale Lage projiziert wird.

 

Verringerung des Vaterlandspathos und Erhebung philosophischer Gedankengänge: Das sind die auffallenden Merkmale des oben erwähnten Gedichtzyklus, der in seiner Stillform und Auseinandersetzung mit der Thematik eindeutig einen Versuch war, gegen die Sowjetdiktatur menschliche und christliche Werte entgegenzusetzen und ein ganzes ungerechtes System kritisch zu betrachten, indem er sich der Motivik von Licht und der Dunkelheit bedient.

 

Im Sewaks Gedichtzyklus „Es werde Licht!“ bleibt eines auf der Grundebene gemeinsam für die ganze christliche Welt: Glaube und seine Moral, denn wie er betont: „Lasst die falschen Gläubigen den Glauben nicht töten! /- Wie schwer es auch ist, ein Kind zu begraben, / Das Kind großzuziehen ist doppelt so schwer!“….